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Wie digital sind Krankenkassen?

5 Min. Lesezeit

Krankenkassen und Versicherungen befinden sich im digitalen Umbruch. Das Angebot an Online Services wächst – zum Vorteil ihrer Versicherten. Ein Überblick

Das sollten Sie wissen:
  • Krankenkassen bieten zahlreiche digitale Services.
  • Befeuert durch das Digitale-Versorgung-Gesetz und die Zusammenarbeit mit Start-ups kommen viele neue dazu.
  • Die Barrierefreiheit von Krankenkassen-Services kann noch besser werden.

Mit dem Digitale-Versorgung-Gesetz ist einiges in Bewegung geraten. Es verpflichtet Krankenkassen, digitale Anwendungen, wie Tagebücher für Diabetiker, Apps für Menschen mit Bluthochdruck, zur Unterstützung der Physiotherapie oder bei vielen weiteren Erkrankungen zu erstatten. Mit E-Rezept und elektronischer Patientenakte soll die Zettelwirtschaft im Gesundheitswesen einer bedarfsgerechten und patientenorientierten digitalen Datenverwaltung weichen. 

In den vergangenen Jahren sind bereits vielfältige digitale Angebote für Patienten und Versicherte entstanden. Nicht allein, weil Technik die Bürokratie rund um Anträge, Formulare und Zuschüsse entschlackt. Die Digitalisierung birgt auch das Potenzial für eine bessere medizinische Versorgung.

Zum Beispiel kann die Verarbeitung digitaler Daten so manchen Krankheitsverdacht früher als bisher auf den Schirm bringen, was nicht nur die Behandlung von Diabetikerinnen und Diabetikern effektiver und dabei sogar günstiger machen kann. Und so digitalisieren die rund 110 gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland, was das Digitale-Versorgung-Gesetz und die strengen Vorgaben für den Umgang mit Versichertendaten erlauben.

Online Anträge stellen und Formulare einreichen

Webseiten von Krankenkassen bieten weit mehr als nur Informationen zur Versicherung. Vieles, wofür früher Briefe verschickt wurden, kann man heute bequem online erledigen. Um die Krankschreibung digital einzureichen genügt zum Beispiel oft ein Smartphone-Foto, das man auf dem Serviceportal der Kasse oder via App hochlädt. Genauso einfach lassen sich Mutterschaftsgeld elektronisch beantragen oder Zuschüsse für Gesundheitskurse anfordern.

Über ein individuelles Kundenprofil können Versicherte ihre Daten, Beiträge und Tarife verwalten. In der Regel besteht außerdem die Möglichkeit, mit der Kundenberatung Kontakt aufzunehmen – je nach Kasse können die Versicherten dafür zwischen Telefon, E-Mail, Twitter, Facebook, WhatsApp oder Instagram wählen.

Ratgeber und Informationsmaterial  

Ratgeber zu Vorsorge, Erkrankungen, Medikamenten oder Hilfsmitteln sind ebenfalls Standard im Onlineangebot der Kassen. Sie sind unterschiedlich ausführlich, die Themen reichen von  häufigen Erkrankungen und Gesundheitsvorsorge über Hilfsmittel wie Hörgeräte bis zu Badewannenliften.

Medizinische Informationen auf den Webseiten großer Kassen und Versicherer sind in der Regel fachlich verlässlich. Bezüglich Vollständigkeit und Ausgewogenheit sollte man aber im Hinterkopf haben, dass die Unternehmen vor allem über die Themen informieren, die zu ihrem Leistungskatalog passen.

Digitale Gesundheitsprogramme

Fast alle Krankenkassen haben digitale Präventionsangebote und therapiebegleitende Onlinekurse im Programm. Die Themen reichen von Achtsamkeit lernen über Gesunde Ernährung, Fitness und Entspannung bis zu Kursen zur Nikotinentwöhnung. In der Regel ist die Teilnahme an einem der oft kostenfreien Onlinekurse an den Versicherten der Kasse vorbehalten.

Der besondere Service

Bei den größten Krankenkassen hat die gezielt vorangetriebene Entwicklung digitaler Services darüber hinaus interessante Projekte hervorgebracht. Einige Beispiele:

Ein Projekt der AOK-Gemeinschaft ist ein digitales Gesundheitsnetzwerk. AOK-Versicherte können per Handy-App oder Computer ihre Gesundheitsdaten einsehen, verwalten und mit Ärztinnen und Ärzten teilen; individuelle Angebote für chronisch Kranke zur Verbesserung ihrer Gesundheit sind inklusive.

Die BARMER hat das telemedizinische Netzwerk PädExpert für die Behandlung schwerkranker Kinder- und Jugendlicher ins Leben gerufen. Über die Teledoktor-App können Versicherte jederzeit die medizinischen Expertinnen und Experten der BARMER um Rat fragen; zudem lassen sich mit der App Röntgenunterlagen verschicken und ärztliche Verordnungen empfangen. Für Firmen bietet die BARMER Onlinetrainings gegen Stress, Schlafschwierigkeiten und depressive Verstimmungen.

Versicherte der DAK-Gesundheit können im Mitgliederbereich der Kassenseite die Bürokratie rund um Anträge, Bescheinigungen und Meldungen aller Art erledigen. Eltern finden dort Informationen über zusätzliche Untersuchungen ihrer Kinder. Die Pflege-App der DAK-Gesundheit richtet sich dagegen an Angehörige von Pflegebedürftigen, während der Erinnerungs-Coach demente Versicherte dabei unterstützt, Erinnerungen im Langzeitgedächtnis zu aktivieren. Eine Herzensangelegenheit ist die telemedizinische Überwachung von DAK-Versicherten mit einer Herzschwäche: Das Projekt Mein Herz kann über eine schneller beginnende Behandlung das Fortschreiten der Erkrankung und damit verbundene Krankenhausaufenthalte verhindern.

Die Versicherten der Siemens-Betriebskrankenkasse SBK haben auf Wunsch ihre persönliche Ansprechpartnerin oder Ansprechpartner mit Kontaktdaten und Bild auf dem Handy dabei. Darüber hinaus bietet auch die SBK zahlreiche digitale Services – zum Beispiel die Tinnitus-Therapiehilfe Tinnitracks.

Barrierefreiheit lückenhaft

Diese Aufzählung bildet nur einen Bruchteil der aktuell angebotenen digitalen Krankenkassen-Services ab. Dass im Wochentakt weitere Services dazu kommen, lässt darauf hoffen, dass digitale Lücken wie die häufig noch fehlende Barrierefreiheit für die Nutzung durch blinde, motorisch beeinträchtigte oder gehörlose Personen zügig geschlossen werden. Schließlich positionieren sich die Krankenkassen als Partner und individuelle Berater ihrer Versicherten.

Dass diese dafür mehr und mehr intime Gesundheitsdaten teilen müssen, dürfte nicht jedem gefallen. Noch können Versicherte den digitalen Weg umgehen – eine Telefonnummer hat ja jede Krankenkasse.

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