Nachgefragt: Was macht Gesundheitsdaten so sensibel?

Von Nina Himmer und Judith Blage

Gerade beim Thema Gesundheitsdaten spielt Datenschutz eine große Rolle. Warum diese Daten so schützenswert sind und was sich gegen Missbrauch tun lässt

Hallo, ich hätte mal eine Frage: Warum sollten Gesundheitsdaten eigentlich noch besser geschützt werden als Bankdaten?

Bei Bankdaten genügt in der Regel ein Anruf bei der Bank: Das Konto wird gesperrt und neu geschützt, das Geld zurückerstattet, und die Sache ist erledigt. Sind dagegen Gesundheitsdaten frei zugänglich, lässt sich das in der Regel nicht rückgängig machen. Außerdem können die Folgen weitreichender sein.

Was könnte denn da passieren?

Gesundheitsdaten sind extrem persönlich. Ob jemand schwanger ist, Gluten nicht verträgt oder schon mal einen Herzinfarkt hatte, geht außer den Betroffenen niemanden etwas an. In den falschen Händen könnten die Daten dazu führen, dass zum Beispiel eine Versicherung teurer wird. Auch das soziale Umfeld könnte negativ reagieren.

Nur – wer interessiert sich überhaupt für meine Gesundheitsdaten?

Das sind ziemlich viele Personen – zum Beispiel Ärztinnen und Ärzte oder Pflegekräfte. Wenn sie mehr Informationen über Ihre Gesundheit haben, können sie Sie besser behandeln und Fehl- und Doppelbehandlungen vermeiden. Oder Forschende, die mit den Informationen Algorithmen trainieren und damit nach Zusammenhängen zwischen Genen und Krankheiten suchen.

Und wahrscheinlich auch die Werbung, oder?

Klar, für die Werbebranche sind diese Daten ebenfalls wertvoll. Sie kann Ihnen so möglichst passgenaue Produkte vorschlagen und damit viel Geld verdienen. Na ja, und Kriminelle können die Daten illegal verkaufen, um damit ebenfalls zu Geld machen.

Damit sind die Sorgen um meine Daten also gar nicht so unberechtigt ...

Stimmt. Mit den sensiblen Daten sollten alle auf jeden Fall so sorgsam wie möglich umgehen. Allerdings finden viele Fachleute, dass sich die Deutschen etwas zu sehr um den Datenschutz sorgen.

Letztlich müssen Sie sich einfach die Frage stellen, was schlimmer ist: Wenn Firmen Daten unerlaubt nutzen oder wenn Sie unzureichend behandelt werden. Denn man sollte nicht vergessen, dass Daten in der Medizin Leben retten können.

Und was mache ich jetzt, wenn wirklich jemand meine Daten missbraucht? Kann ich mich dagegen wehren?

Natürlich! Eine wichtige Anlaufstelle sind die Datenschutzbeauftragten. Jedes Bundesland hat einen. Sie beraten Bürgerinnen und Bürger in Sachen Datenschutz – und zwar kostenlos. Eine Liste mit Kontaktdaten der Ansprechpartner gibt es unter www.datenschutzbeauftragter-info.de.

Mehr kann ich nicht machen?

Sie können Datenmissbrauch auch bei der Polizei anzeigen – schließlich ist das eine Straftat. Allerdings ist es momentan noch sehr langwierig und kompliziert, Datenmissbrauch zu verfolgen.

Die Politik arbeitet zwar daran, die Gesetze an das digitale Zeitalter anzupassen und Ihnen bessere Möglichkeiten zu bieten, sich schon beim Verdacht auf missbräuchlichen Zugriff zu wehren. Noch ist das allerdings nicht möglich.

Was Sie tun können: Missbrauch vorbeugen, indem Sie Ihre Daten schützen. Die EU-Initiative "Klicksafe" hat zum Beispiel sehr gute und verständliche Tipps zusammengestellt: www.klicksafe.de.


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