E-Rezept auf dem Smartphone Stocksy/Beatrix Boros

E-Rezept: schneller zu meinen Medikamenten

von
5 Min. Lesezeit

Das E-Rezept spart Zeit, Wege und Papier und soll die Behandlung mit Arzneimitteln sicherer machen. Wie die digitale Verordnung funktioniert und was sich für Sie ändert

Das sollten Sie wissen
  • Mitte 2021 kommt die digitale Version des Papierrezepts: das E-Rezept
  • Vorteil: weniger Bürokratie, gleiche Leistung und 900 Millionen Euro Ersparnis
  • Das Papierrezept bleibt für den Übergang erhalten

Die elektronische Gesundheitskarte gibt es schon, als Nächstes sollen Ärztinnen und Ärzte Medikamente digital verschreiben können. Im "Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung", das der amtierende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auf den Weg gebracht hat, stehen zwar Grundlagen zur Einführung des E-Rezepts. Wie dieses bundeseinheitlich verwaltet und in der Praxis fuktioniert, wird derzeit gestaltet.

Was ist ein E-Rezept?

Das elektronische Rezept, kurz E-Rezept, ist die digitale Version des herkömmlichen Papierrezepts. Die Arztpraxis stellt Ihnen wie bisher ein Rezept aus, nur können Sie die Verordnung künftig auch als digitale Version direkt auf Ihr Smartphone oder Ihren Computer erhalten – wahlweise per App, per SMS oder E-Mail. Wie das Papierrezept können Sie das E-Rezept in allen Apotheken Ihrer Wahl einlösen, das heißt: in Ihrer Apotheke vor Ort, nahe dem Arbeitsplatz, in einer anderen Stadt oder in einer Online-Apotheke.

Wird das Papierrezept abgeschafft?

Nein, wer will, kann auch weiterhin ein klassisches Papierrezept bekommen. Erfahrungsgemäß braucht es Zeit, bis eine digitale Anwendung das analoge Verfahren vollständig abgelöst hat. Bis auf Weiteres sollen laut Bundesregierung E-Rezept und Papierrezept parallel existieren.

Wie löse ich mein E-Rezept ein?

Ein einheitlicher Standard dafür wird derzeit erarbeitet. Prinzipiell funktioniert das elektronische Rezept ähnlich wie die elektronische Bordkarte beim Fliegen. Statt dem Apothekenpersonal einen Papierausdruck zu übergeben, halten Sie beispielsweise Ihr Smartphone mit dem Strichcode des Rezepts an den Kassenscanner. In einer speziellen Apothekensoftware erscheint dann die Verordnung der Arztpraxis. Haben Sie das Medikament erhalten, ändert sich der Status des E-Rezepts in "beliefert". Zusätzlich kann die Apotheke die Verordnung gleich weiter zur Krankenkasse übermitteln.

Die App zum E-Rezept

Die Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH (Gematik) hat im Oktober 2020 die zum E-Rezept passende App vorgestellt und skizziert, wie Patientinnen und Patienten Verordungen in Zukunft einlösen können.

Die Gematik ist für die Entwicklung der Telematikinfrastruktur in Deutschland zuständig und daher mitverantwortlich dafür, dass die Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens sicher und funktional umgesetzt wird.

Mit der App lässt sich das E-Rezept auf dem eigenen Handy abrufen. Danach können Versicherte aus der App der Liefersstatus eines Arzneimittels in der Apotheke ihrer Wahl unverbindlich anfragen. In der App bekommt man dann die Antwort der Apotheke angezeigt, ob oder wann das Medikament verfügbar ist und wie es bereitgestellt werden kann (zum Beispiel Selbstabholung, Botendienst oder Versand). Nach Rückmeldung der Apotheke entscheidet sich der oder die Versicherte in der App für eine verbindliche Einlösung.

 

Welche Vorteile hat das E-Rezept?

Ein großer Vorteil des E-Rezepts ist, dass es Ihnen einen Gang in die Apotheke ersparen kann. Mithilfe entsprechender Apps lässt sich die Verordnung direkt an die Apotheke Ihrer Wahl übermitteln. Was nicht auf Lager ist, kann das Apothekenteam vorbestellen.

Auch in weiteren Punkten ist das elektronische Rezept dem Papierrezept überlegen:

  • Folgerezepte können Sie sich direkt digital zuschicken lassen, ohne dass Sie dafür in die Praxis müssen.
  • Medikamente und andere Produkte können Sie bequem elektronisch bestellen und nach Hause liefern lassen oder in der Apotheke vor Ort persönlich abholen.
  • E-Rezepte vermeiden zeitraubende Rückfragen und Missverständnisse, weil die Verschreibung immer leserlich ist.
  • Für Apotheken und Krankenkassen werden Versand, Bestellung und Abrechnung schneller und einfacher.
  • E-Rezepte sparen Hunderte Millionen Papierzettel. Das verringert zum einen den Papierverbrauch, zum anderen entfällt der Transport der Papierformulare zu den Abrechnungszentren der Krankenkassen.

Warum macht das E-Rezept die Behandlung mit Arzneimitteln sicherer?

E-Rezepte sind immer lesbar und vermeiden so Fehlerquellen wie eine unleserliche Handschrift oder ein falsch interpretiertes Rezept. Auch können Apotheken mögliche pharmazeutische Bedenken im Rezept hinterlegen. Zusätzlich soll das E-Rezept neue digitale Anwendungen wie den Medikationsplan mit einschließen. So kann einfacher überprüft werden, ob alle Arzneimittel untereinander verträglich sind.

Gilt das E-Rezept ausschließlich für Arzneimittel?

Nein, künftig kann und soll die elektronische Versorgung erweitert werden. Derzeit werden Möglichkeiten diskutiert, andere Heil- und Hilfsmittel sowie die häusliche Krankenpflege über ein Digitalrezept zu verordnen.

Ab wann gibt es das E-Rezept in Deutschland?

In Modellprojekten wird das E-Rezept bereits getestet. Die bundesweite Einführung des elektronischen Rezepts wird momentan vorbereitet und ist für Sommer 2021 geplant. Noch sind nicht alle technischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen geklärt. Denn das E-Rezept setzt voraus, dass alle Apotheken flächendeckend an die sogenannte Telematikinfrastruktur (TI) angeschlossen sind. Über die TI sollen langfristig alle im Gesundheitswesen Tätigen, wie zum Beispiel Allgemein- und Facharztpraxen, Apotheken, Therapeuten und Therapeutinnen, Krankenkassen und Krankenhäuser, miteinander vernetzt werden.

Will man das E-Rezept optimal umsetzen und seinen Nutzen voll ausschöpfen, müssen die verschiedenen Vertreterorganisationen des Gesundheitssystems miteinbezogen werden. Dazu gehören der Deutsche Apothekerverband (DAV), der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). Alle Beteiligten müssen sich mit ihren unterschiedlichen Positionen auf gemeinsame Regeln einigen, und nicht zuletzt müssen alle datenschutzrechtlichen Bedenken geklärt sein – das dauert seine Zeit.

Wird es weitere digitale Angebote im Gesundheitswesen geben?

Ja, denn das E-Rezept ist Teil des sogenannten Gematik-Paketes (Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH). Dieses Paket umfasst neben dem elektronischen Rezept auch die elektronische Gesundheitskarte und die elektronische Patientenakte.

Gibt es das elektronische Rezept schon in anderen Ländern?

Das E-Rezept hat sich bisher in 17 europäischen Ländern etabliert, darunter in Schweden, Portugal, Kroatien, Montenegro, Lettland, der Schweiz und den Niederlanden. Hier arbeiten die E-Health-Behörden der EU bereits am nächsten Ziel: dem Austausch elektronischer Verschreibungen über Landesgrenzen hinweg. Den Anfang machen hier seit Kurzem Finnland und Estland.

Wie ist es generell um die Digitalisierung des deutschen Gesundheitssystems bestellt?

Laut einer Bertelsmann-Studie aus dem vergangenen Jahr ist Deutschland im internationalen Vergleich weit abgeschlagen. Von 17 untersuchten Ländern landet die Bundesrepublik auf Platz 16.

Newsletter Anmeldung

Jede Woche aktuelle News und Hintergründe direkt in Ihr Postfach

Optionale Angaben
Ich habe die Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen
Bitte stimmen Sie der Datenschutzerklärung zu
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse an
Ihre Eingabe ist zu lange