Elektronischer Impfpass picture alliance/Flashpic

Der elektronische Impfpass – Wo stehen wir?

2 Min. Lesezeit

Der elektronische Impfpass soll die Immunität gegen Covid-19 belegen. Bei der Umsetzung gibt es Zustimmung und Kritik. Der Digital Ratgeber dokumentiert den Stand der Diskussion

Ende Februar 2021 hatte die Bundesregierung Unternehmen aufgefordert, Angebote für die Entwicklung einer Impfpass-App abzugeben. Den Zuschlag erhielten der amerikanische IT-Konzern IBM und die Unternehmen Ubirch, govdigital und Bechtle in Deutschland. In zwei Monaten, so heißt es, könne man die App auf das Smartphone laden. Hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten rund um den elektronischen Impfpass:

Verschafft die Impfpass-App geimpften Bürgern besondere Privilegien?

Laut Bundesregierung soll Impfpass App den Geimpften keine Privilegien verschaffen, sondern nur den gelben Papierausweis ergänzen. Doch die Rückkehr in ein normales Leben mit digitaler Hilfe wäre vorstellbar: Leicht ließe sich die Impfpass-App als Dauereintrittskarte für Geschäfte, Restaurants, Hotels sowie für Flugreisen, Konzerte und Co. einsetzen.

Wie funktioniert die Impfpass-Technologie?

Die Technologie hinter dem Impfpass sei hochkomplex, berichtet der Stern. Eine Herausforderung: Wie lässt sich der Impfstatus überall abrufen und gleichzeitig die Daten der Geimpften vor Hackern oder staatlicher Überwachung schützen?

Die Lösung liege in der Eingabe der Impfdaten in eine Art öffentlicher Datenbank, die wie eine Kette mehrere Glieder hat, Blockchains genannt. Die Blockchain-Nutzer kontrollieren sich gegenseitig. Über einen QR-Code gelangt man zu dem verschlüsselten Impfeintrag in einem der Blockchain-Nutzer. Kritik an dieser Lösung entzündet sich unter anderem an den hohen Kosten. "Absolut unglaublich", twitter der Ex-Wikimedia-Chef Pavel Richter. "Der digitale Impfnachweis wird tatsächlich mit Blockchain-Quatsch verteuert."

Die Technologie der Blockchain steckt auch in modernen digital Währungen wie Bitcoin. Wer dazu mehr erfahren möchte, dem sei dieses Video der seriösen Tageszeitung NZZ aus Zürich empfohlen: https://www.youtube.com/watch?v=ZU8pMQfnTq0 

Warum sind die USA gegen einen Impfpass?

Es gibt auch grundsätzliche Argumente gegen den digitalen Impfpass. So zieht man in den USA eine Einführung zwar in Betracht. Doch Datenschützer:innen und Ärzt:innen sind skeptisch.

"Nur weil man eine Impfung hat, bedeutet das nicht, dass man immun gegen COVID ist", sagt der Infektionskrankheiten-Experte der University of California, San Francisco, Dr. Peter Chin-Hong. "Es gibt das reguläre COVID, von dem wir die Daten kennen, und es gibt auch Varianten, die im Umlauf sind." 

Welche Bedenken hat die WHO Europa? 

Die Kritik aus den USA deckt sich mit der Auffassung der Weltgesundheitsorganisation (WHO).  Die WHO lehnt die von der EU-Kommission geplanten Impfpässe ab. Zwar sei die Einführung im Sommer "wohl unvermeidlich", sagte der Regionaldirektor der WHO/Europe, Hans Kluge, gegenüber der Welt.

"Aber es ist keine Empfehlung der WHO." Vielmehr gebe es ernste Bedenken, wie lang eine Immunität anhalte. Auch könne ein Impfstoff "nicht unbedingt die Ansteckung anderer Menschen verhindern". 

 Wie sagen die Ärzte zum digitalen Impfpass? 

Dass der digitale Impfausweis eingeführt wird, scheint sicher. So hatte die Bundesärztekammer bereits 2019 der flächendeckenden Einführung eines elektronischen Impfausweises zugestimmt. Verknüpft hatte die Spitzenorganisation der ärztlichen Selbstverwaltung diese mit der Forderung nach sinnvollen Zusatzeinrichtungen wie Informationen über Folge‐ und Auffrischimpfungen.

Auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) befürwortet den digitalen Impfpass. "Der digitale Impfpass können zu einer echten Verbesserung der Gesundheitsversorgung führen", sagt der KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Andreas Gassen. 

Wo ist der digitale Impfpass schon im Einsatz?  

Frühe Verfechter eines digitalen Impfpasses sind die Hausärzt:innen, der Deutsche Hausärzteverband hatte diesen schon 2018 wiederholt gefordert, um Impflücken generell schneller und besser zu erkennen. Allen voran engagierte sich der Hausärzteverband in Niedersachsen. Schon 2020 stellte man einen eigenen elektronischen Impfpass vor.

"Wir haben gemerkt, dass die Krankenkassen und privaten Anbieter Systeme entwickelt haben, die weder miteinander kompatibel sind noch die Impfdaten vom Arzt eingepflegt werden können", erklärte dazu der Landesverbandsvorsitzende Dr. Matthias Berndt. Offen ist, was mit dieser Eigenentwicklung passiert, wenn der bundesweite digitale Impfpass startet.

Warum setzen die Fachärzt:innen auf eigenen elektronischen Impfpass?

Der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands – SpiFa e.V. begrüßt ausdrücklich alle Maßnahmen der Bundesregierung und der Regierungschefs der Länder, um eine schnelle Impfung möglichst großer Teile der Bevölkerung zu ermöglichen. Anders als die Hausärzt:innen wurde man auch in eigener Sache aktiv: Der SpiFa stellt mit der DIFA 1 App allen Fachärzt:innen und deren Mitarbeiter:innen einen vom eigenen Forschungsinstitut entwickelten digitalen Impfausweis zur Erfassung der eigenen Impfung zur Verfügung.

Gibt es einen elektronischen Impfpass in Israel?

Wo Deutschland noch in der Planung und Entwicklung eines digitalen Impfpasses steckt, ein anderes Land Tatsachen geschaffen. In Israel hat man durch schnelle Impfung eine Normalisierung des öffentlichen Lebens erreicht. Es lohnt, den Blick auf die dortigen Maßnahmen zu richten.

So hat das Gesundheitsministerium Israels bereits am 21. Februar den Green Pass ins Leben gerufen. Er wird jeder Person ausgestellt, die gegen Covid-19 geimpft oder von Covid-19 genesen ist. Der nur auf Hebräisch verfügbare Pass gewährt unter anderem Zugang zu Fitnessstudios, Hotels, Schwimmbädern, Konzerten und Gotteshäusern, Restaurants und Bars.

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