Apps sollen fragwürdige Corona-Zettelwirtschaft überflüssig machen imago Stock and People/Arnulf Hettrich

Was kann die Corona-App „Luca“?

3 Min. Lesezeit

Die Corona App „Luca“ soll die Kontaktverfolgung nach Restaurant-, Hotel- oder Konzertbesuchen erleichtern. Wie genau funktioniert die App und was kann sie leisten?

Was ist die Corona-App Luca?

Die App soll helfen, Kontakte bei privaten Treffen und öffentlichen Veranstaltungen zu verwalten und nachzuverfolgen. In der Gastronomie und bei Veranstaltungen könnte die App die lästige Zettelwirtschaft ablösen: Gäste müssen ihre Daten nicht mehr händisch in eine Anwesenheitsliste eintragen, sondern können den Besuch mit Hilfe von QR -Codes dokumentieren. Dadurch entsteht ein digitales Kontakttagebuch.

Wie funktioniert die App?

Die App besteht aus drei verschiedenen Schnittstellen: Dem Gastgeber, Gast bzw. dem App-Nutzer und dem zuständigen Gesundheitsamt. Nutzende müssen sich einmal mit Adresse und Telefonnummer in der App registrieren. Die App generiert dann einen sich minütlich ändernden QR-Code. Mit diesem Code kann sich der Gast in Restaurants, Kinos oder beim Familientreffen einchecken.

Beispiel Restaurant: Beim Betreten müssen Gastgeber und Gast die App heruntergeladen haben. Am Eingang scannt der Gastgeber den Code des Besuchers. Beim Verlassen der Location wird der Gast automatisch über die Standortortung des Smartphones ausgeloggt oder er loggt sich aktiv selbst aus.

Im Fall einer Infektion werden alle Gäste der betreffenden Location informiert, die sich zur entsprechenden Uhrzeit dort aufgehalten haben. Zeitgleich wird das zuständige Gesundheitsamt informiert, welches dann die Daten der Gäste auslesen kann.

Auch private Treffen können über die App dokumentiert werden. Wer eine Familienfeier plant, kann in der App kann ein QR Code generieren und mit denen von Freunden und Familie verknüpfen.

Wer hat die App entwickelt?

Die "Luca" App wurde nicht wie die Corona-Warn-App von öffentlicher Hand in Auftrag gegeben. Sie wurde von einem Berliner Start-up "neXenio GmbH" und Künstlern, wie der Band "Die Fantastischen Vier" gegründet.

Wo kann ich die App herunterladen?

Die App "Luca" kann im App-Store von Apple oder im Google Play Store für Android Geräte heruntergeladen werden und ist für Nutzer und Betreiber kostenlos. Nach dem Herunterladen kann der Nutzer sich mit Namen und Adresse anmelden. Die Handynummer wird über einen SMS-Code überprüft

Funktioniert es auch ohne Smartphone?

Ja, Luca lässt sich auch ohne Smartphone nutzen. Bei einer Veranstaltung kann der Gast seine Daten in ein Kontaktformular beim Veranstalter eingeben. Nach Angaben der Hersteller von "Luca" werden die Daten für den Veranstalter auch hier verschlüsselt und unleserlich gespeichert. Außerdem kann man sich auf der Homepage der Hersteller einen Schlüsselanhänger mit einem QR-Code bestellen.

Wie steht es um den Datenschutz?

Laut den Machern der App können die Daten zu keiner Zeit von Gastgeber, der App oder Dritten ausgelesen werden. Erst in einem Infektionsfall kann das Gesundheitsamt, zur Verfolgung der Infektionsketten, die Daten auslesen. Diese werden auf ISO-27001 zertifizierten Servern in Deutschland gespeichert.

Der Landesbeauftragte für Datenschutz von Baden-Württemberg Stefan Brink befürwortet die App: "Als Datenschützer unterstütze ich die "Luca"- App aus voller Überzeugung. Dieses Tool ist eine wertvolle Ergänzung der bisherigen staatlichen Schutzmaßnahmen zur Nachverfolgung von Kontakten während der Pandemie. Wir haben die App technisch und rechtlich geprüft. Die App erfüllt unsere hohen Datenschutz-Standards. Die Dokumentation der erfolgten Kontakte wird auf technisch höchstem Stand verschlüsselt und es liegt allein in der Hand des Luca-Nutzers, ob, wann und mit wem er diese sensiblen Daten teilen möchte."

Welche Gesundheitsämter arbeiten mit Luca zusammen?

Mit an Bord sind nach Angaben des Luca-App-Betreibers Culture4life inzwischen auch Hamburg, Bremen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, das Saarland, Rheinland-Pfalz, Hessen, Brandenburg, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und zuletzt auch Bayern.

In Thüringen, wo sich Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) zunächst für Luca stark gemacht hat, wurde eine landesweite Check-in-App jedoch ausgeschrieben - auch weil sich etliche Luca-Konkurrenten über angebliche Mauscheleien bei der Vergabe beschwert haben.  Auf der Homepage der App-Hersteller lässt sich herausfinden, ob das eigene Postleitzahlgebiet bereits angeschlossen ist.

Start-ups kritisieren neue Technologie

Die Luca-App stößt aber nicht nur auf Begeisterung. Gegenwind kommt von anderen Start-ups, die über kein so prominentes Aushängeschild wie Smudo verfügen. "Wir sehen die große Gefahr, dass der Wettbewerb durch die Luca-App unterminiert wird", erklärten unter anderen die Anbieter Darfichrein.de, Railslove, CoronaAssist:Presence, Kontakterfassung.de und Hygieneranger.

Railslove-Geschäftsführer Jan Kus verweist darauf, seine Lösung Recover sei bereits seit Mai 2020 bei Gastronomen, im Einzelhandel, bei Konferenzen, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen im aktiven Einsatz. In seiner Heimatstadt habe auch Fortuna Köln seit September mit Recover die Gäste auf den Sitzplätzen datenschutzkonform erfasst.

Bei Recover muss auf dem Smartphone keine App installiert werden. Ähnlich wie bei Luca wird mit der Kamera ein QR-Code erfasst und eine Webseite von Recover aufgerufen. Dort werden die Kontaktdaten eingetragen und der Veranstaltung zugeordnet. Mit einem weiteren Fingertipp kann man sich wieder auschecken.

Verbraucherschützer:innen setzten weiterhin auf Papierlisten

Kus regt an, dass sich die 16 Start-ups - darunter auch die Macher der Luca-App - möglichst schnell an einen Runden Tisch setzen, um die unterschiedlichen Ansätze zu Risikoermittlung zu konsolidieren, damit dann alle an einem Strang ziehen. "Wir haben eine diverse Start-up-Landschaft in Deutschland, die gemeinsam starkes bewegen kann", schrieb der Unternehmer an seinen Ministerpräsidenten Achim Laschet (CDU), der sich zuvor als Fan der Luca-App geoutet hatte.

Achim Berg, Präsident des Digitalverbandes Bitkom, kritisiert, dass bei einem Einsatz von Apps wie Luca, Recover oder eGuest vielerorts noch große Verunsicherung vorherrsche, weil einige Verbraucher- oder Datenschützer:innen empfehlen, auf Papierlisten zu setzen.

"Dabei haben Apps zur Kontaktnachverfolgung den großen Vorteil, dass persönliche Daten wie Telefonnummer oder Adresse nicht von jedermann eingesehen werden können, die Lesbarkeit sichergestellt ist und vor allem, dass die Gesundheitsämter direkt digital informiert werden, wenn es Infektionen an einem bestimmten Ort gab." In Kombination mit der Corona-Warn-App könnten solche Kontaktnachverfolgungs-Apps eine große Unterstützung bei einer Öffnungsstrategie aus dem Lockdown sein.

Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar hat mangelnde Transparenz der Anbieter der Luca-App kritisiert. «Ohne den Quellcode ist nicht einsehbar, wie eine Software funktioniert», sagte Caspar der «Rheinischen Post». Ein Quellcode ist der lesbare Text eines Computerprogramms.

Die datenschutzrechtlichen Dokumentationen müssten vor der Inbetriebnahme erstellt und das Risiko für die Rechte und Freiheiten der betroffenen Menschen müsse bekannt sein, sagte Caspar. Die Datenschutzfolgenabschätzung sei noch nicht bekannt gegeben, sie sei

aber für eine datenschutzrechtliche Bewertung unerlässlich. «Dies sollte dringend nachgeholt werden; insbesondere, da die App in einigen Kommunen und Ländern bereits zum Einsatz kommt.»

Newsletter Anmeldung

Jede Woche aktuelle News und Hintergründe direkt in Ihr Postfach

Anmelden