Algorithmus Klimawandel Plainpicture GmbH/Ralf Mohr

Wie krank macht uns der Klimawandel?

3 Min. Lesezeit

Künstliche Intelligenz hilft Forschenden zu berechnen, wie gefährlich ein weltweiter Temperaturanstieg für unsere Gesundheit ist

Wie der Klimawandel die Umwelt beeinflusst, ist bekannt. Doch was macht es mit den Menschen, wenn die globale Temperatur bis zum Jahr 2100 um 5 Grad Celsius steigt? Das haben Forscher:innen jetzt mit Hilfe von Algorithmen der künstlichen Intelligenz genauer untersucht.

Ältere Männer sind am meisten gefährdet

"Wir wissen, dass Hitze eine Gesundheitsgefahr darstellt, doch die Basis für eine gezielte Prävention sind detaillierte Informationen", sagte der Umweltökonom Nicolas Koch gegenüber dem Ärzteblatt. Er leitet das Policy Evaluation Lab am Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC).

Für die im Auftrag des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) erstellte Analyse hat das Forschungsteam auf der Basis von Krankenhausdaten besonders gefährdete Personengruppen identifiziert und eine Risikokarte für Deutschland gezeichnet. Die am stärksten von steigenden Temperaturen betroffenen Personen sind demnach im Durchschnitt älter, kränker und häufiger männlich.

Besonders gefährdet sind Menschen mit Demenz und Alzheimer, Nierenschwäche, Depressionen und anderen psychischen Auffälligkeiten, Diabetes sowie chronischen Atemwegserkrankungen.

Häufiger hitzebedingt ins Krankenhaus

In der Stadt, fanden die Forscher:innen heraus, gibt es bei gleicher Hitzebelastung, statistisch gesehen, weniger gefährdete Menschen als auf dem Land – was an besserer medizinischer Infrastruktur, häufigerer Nutzung von Warnsystemen und Aktionsplänen liegen könnte, so  Umweltökonom Koch. Eine weitere Erkenntnis ist, dass es in Regionen mit umfassend betreuten Pflegebedürftigen weniger häufig hitzebedingte Klinikeinweisungen gibt als in Gegenden ohne eine sorgfältige Betreuung. Dazu passt, dass Gebiete mit wenig Altersarmut laut Koch relativ besser dastehen.

Ohne Maßnahmen gegen den Klimawandel und davon ausgehend, dass die Erde im Jahr 2100 fünf Grad Celsius wärmer sein wird als vor Beginn der Industrialisierung, wird den Forscher:innen zufolge der Hitze-Stress spürbar zunehmen – besonders stark in Gebieten mit vielen hitzeempfindlichen Personen. Im Jahr 2100, so die Prognose, wird es deshalb sechsmal so viele hitzebedingte Klinikeinweisungen geben wie im Durchschnitt der Jahre 2009 bis 2018.

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