Sportlerin mit Smartphone iStock/Delmaine Donson

Start-up will Physiotherapie per App anbieten

Die Gründer:innen eines Start-ups glauben, dass Physiotherapie auch online funktioniert. Ihre App soll im Mai 2021 auf den Markt kommen und gratis sein

Ideen, aus denen erfolgreiche Unternehmen werden, entstehen aus unterschiedlichsten Gründen. Eine starke Motivation ist offensichtlich Unzufriedenheit.

Philip Billaudelle hatte 2019 nach einer sechsmonatigen Odyssee durch die Praxen von Ärzt:innen noch immer mit einer Sportverletzung zu kämpfen. Dass ihm eine Spezialistin aus dem Internet per Videosprechstunde doch noch helfen konnte, war der Zündfunke für die Entwicklung einer Physiotherapie-App. Es habe ihn damals überrascht, für die Behandlung nicht in eine Praxis gehen zu müssen, so Billaudelle zur Gründerszene.

Die nächsten Schritte waren Standard-Zutaten erfolgreicher Start-ups. Job kündigen, Partner:innen suchen, die Mitstreiter:innentum, Geld und Expertise bieten. Exakt Health heißt das Unternehmen von Philip Billaudelle und Mitgründerin Lucia Payo. Nach eigenen Angaben konzentriere man sich auf den Aufbau führender digitaler Therapien zur Genesung von Sportverletzungen, um die Art und Weise, wie heute Physiotherapie angeboten wird, neu zu gestalten.

Damit wolle man erster Anlaufpunkt bei körperlichen Beschwerden sein und medizinischen Rat für jeden und zu jeder Zeit zugänglich machen, so der Ex-Digitalbank-Manager Billaudelle. "Viele Menschen googeln ihre Symptome, weil sie nicht zum Arzt gehen wollen oder keinen Termin bekommen. Im Internet gibt es allerdings sehr viel gefährliches Halbwissen. Wir wollen hier eine Alternative bieten."

Die App von Exakt Health erfragt bei den Nutzer:innen zu die Krankengeschichte sowie Art und Stärke Beschwerden. Aus den Angaben errechnet ein Machine-Learning-Algorithmus die drei wahrscheinlichsten Ursachen, empfiehlt gegebenenfalls einen Arztbesuch und führt die Nutzer:innen durch einen Bewegungstest, um die Diagnose zu bestätigen. Am Ende wirft die App einen Übungsplan für die Rehabilitation aus.

Die App von Exakt Health soll im Mai 2021 auf den Markt kommen und für Nutzer:innen gratis sein. Die Aufnahme in das Verzeichnis für digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) des Bundes vorausgesetzt, sollen gesetzliche Krankenversicherungen die Kosten für die ärztlich verordnete Nutzung der App übernehmen. Allein in Deutschland würden jährlich zwölf Millionen Versicherte zur Physiotherapie gehen, wobei die Behandlung im Schnitt 400 Euro koste, rechnete Billaudelle Gründerszene vor. Mit der App würde sein Unternehmen eine gleichwertige Therapie für die Hälfte anbieten können. Damit liegen die Unternehmensziele zwischen ambitioniert und revolutionär.

Der potenzielle Unternehmenserfolg dürfte auch der Grund dafür sein, dass Investoren wie das Münchener Business-Angel-Kollektiv Inventures, N26-Gründer Maximilian Tayenthal, Ex-Marketingchef Kelly Ford und der ehemalige USA-Chef Nicolas Kopp sowie die ehemalige Strategiechefin beim Telemedizin-Start-up Kry, Gloria Bauerlein ins Boot geholt werden konnten. Eine erste Finanzierungsrunde in Höhe von einer halben Million US-Dollar soll bereits gesichert sein.

Zum geplanten Start im Mai will sich Exakt Health auf Sportverletzungen konzentrieren, später sollen Programme unter anderem für Rückenbeschwerden dazu kommen. Aktuell arbeiten die Gründer nach eigener Aussage mit ausgebildeten Physiotherapeuten daran, ihre App für die Aufnahme in das DIGA-Verzeichnis zertifizieren zu lassen.

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