Neuronen im Gehirn per Funkverbindung an Computer anschließen Neuralink mauritius images / Sergey Novikov / Alamy

Noch mehr Geld für Elon Musks Gehirnchips

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Technologische Utopien massenwirksam verkaufen: Das kann Elon Musk, der Rockstar-Unternehmer unserer Zeit. Auch sein E-Health-Investment, Neuralink sammelt gerade wieder neue Investorengelder ein. 205 Millionen US-Dollar hat die Firma von Google und anderen Geldgebern erhalten. Die Wissenschaftsgemeinde sieht die Aktivitäten von Musk dagegen kritisch

Neuralink plant Neuronen im Gehirn per Funkverbindung an Computer anzuschließen. Dafür soll ein von außen nicht sichtbarer Chip in den Schädel implantiert werden. Der erste Chip mit dem Namen N1 soll Querschnittsgelähmten ermöglichen, ihre Beine und Arme wieder zu bewegen. Laut Neuralink soll das frische Geld für die Markteinführung des ersten Produkts und die weitere Forschung verwendet werden.

Musks Wettbewerber

Neuralink ist nicht das einzige Unternehmen, dass an der Schnittstelle zwischen Gehirn und Computer arbeitet. Auch Paradromics in Austin, Texas, USA, will Technologien entwickeln, die bioelektrische Signale des Gehirns in digitale Signale übersetzen, die von einem Computer verstanden werden, und umgekehrt. Auf diese Weise soll die Hirnaktivität zum Beispiel in die Bewegung eines Computer-Cursors übersetzt werden.

Die Philosophie von Paradromics: "Das Gehirn ist ein Datensystem. Während ein biologischer Ansatz zur Behandlung von Blindheit darin bestünde, die Netzhaut nachwachsen zu lassen, würde unser Ansatz darin bestehen, die visuellen Daten an den richtigen Teil des Gehirns zu übermitteln, auch wenn dies den Einsatz eines Computers erfordert, sagt Matt Angle, der Chef von Paradromics.

Das Daten-ins-Gehirn-System steckt in den Kinderschuhen, eine Vorgängertechnologie wurde aber bereits erfolgreich an Schafen getestet. Wie andere Unternehmen in diesem Bereich steht Paradromics daher in Kontakt mit den Aufsichtsbehörden, um die experimentelle Anwendung am Menschen zu ermöglichen. Matt Angle geht davon aus, dass die Geräte im nächsten Jahr für die Antragstellung bereit sein werden.

Die Technologie von Paradromics, das eines von mehreren Unternehmen in diesem Bereich ist, baut auf jahrzehntelanger Forschung und der Arbeit von Initiativen wie die Forschungskooperation BrainGate auf. Paradromics hat nach eigenen Angaben kürzlich 20 Millionen USA-Dollar eingeworben, und kann damit eine neue Elektroden-Generation für das Gehirn auf den Weg zu bringen. Laut der Plattform PitchBook haben Start-ups, die sich mit Gehirn-Computer-Schnittstellen beschäftigen, in diesem Jahr bisher 132,8 Millionen US-Dollar eingeworben. Das ist deutlich weniger als die 205 Millionen Inverstorendollar, die Neuralink eingenommen hat. Wie ist das möglich?

Alles nur Theater?

Möglicherweise liegt es allein an der Popularität Musks, und die Geldgeber:innen hoffen, diese werde auf sie abstrahlen. Das Unternehmen Neuralink sei neurowissenschaftliches Theater, schreibt ein Kommentator des "MIT Technology Review" im August letzten Jahres.
Musks per Livestream übertragene Veranstaltung über Gehirnimplantate mache Versprechungen, wie Blindheit, Lähmung und Taubheit per elektronischer Gehirn-Computer-Schnittstellen zu heilen, die nur schwer zu halten sein würden. Keiner dieser Fortschritte sei wirklich in greifbarer Nähe. Und bei einigen sei es unwahrscheinlich, dass sie jemals eintreten werden.

Die Wissenschaftsgemeinde bewertet Musks Pläne unterschiedlich. Während einige Forscher:innen die Arbeit von Neuralink als bedeutende Verbesserung der bestehenden Technologie loben, winken andere ab: das Unternehmen würde nicht viel Neues bieten und seine größten spekulativen Behauptungen nicht auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft beruhen.

Der Grund, warum Musk weiterhin an ein zuverlässiges Gehirnimplantat glaubt, dass Milliarden von Verbrauchern nützen werde, sei vielmehr Begeisterung zu wecken, schrieb das renommierte Fortune-Magazin. Ihm gehe es auch darum, Ingenieure für das Unternehmen zu rekrutieren. Schon heute zählt Neuralink etwa 100 Mitarbeiter.
Zudem besitzt der Unternehmer-Rockstar Musk schon immer die Gabe, um sich und seine Aktivitäten eine treue Fangemeinde aufzubauen. Diese Menschen haben auch dazu beigetragen hat, den Aktienkurs seines Elektroautohersteller Tesla in ungeahnte Höhen zu steigern.

Ob Neuralink genauso erfolgreich wird, bleibt abzuwarten. Der Digital Ratgeber bleibt an dem Thema dran und wird wieder berichten.


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Forschung Daten Therapie

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