Google-Logo auf einem der Gebäude in Googleplex, dem Hauptcampus des Unternehmens im Silicon Valley Shutterstock/Sundry Photograph

Google stellt sich im Gesundheitsbereich neu auf

2 Min. Lesezeit

Um den Gesundheitsbereich auszubauen, setzt Google Suchergebnisse, Daten, Geld und Manpower ein. Dass der Leiter von Google Health nun abwandert und der Unternehmenszweig aufgelöst werden soll, passt nicht ins Bild. Oder doch?

Laut einem Bericht des US-Internetmagazins MedCity News soll die Abteilung Google Health geschlossen und die 570 Mitarbeiter:innen samt laufender Projekte in andere Bereiche des Unternehmens verlagert werden. Was nach Sozialplan klingt, dürfte allerdings einem Masterplan für den Ausbau von Googles Gesundheitsbereich folgen. Dem Bericht nach sagt Google, dass Gesundheit weiterhin ein wichtiger Schwerpunkt des Unternehmens sei.

Bereits im Sommer hatte Google einen Teil seiner Mitarbeiter aus dem Gesundheitsbereich in die Abteilung Fitbit verlagert und Fitbit die Leitung der Bemühungen um die Gesundheit der Menschen überlassen. Die verbleibenden Google-Health-Mitarbeiter konzentrierten sich auf Compliance, Künstliche Intelligenz im Gesundheitsbereich und die Entwicklung von Tools für Kliniker.

Hatte Google mit David Feinberg als Chef der Health-Abteilung auf den Falschen gesetzt? Vielleicht. Feinberg selbst hatte auf der Health-Tech-Konferenz des Wall Street Journals am 9. Juni gesagt, dass Google Health sich nicht darum kümmere, ob sein Gesundheitsunternehmen Gewinne erziele.

Dass Feinberg nicht die vom Mutterkonzern Alphabet gewünschte Strategie verfolgt haben könnte, passt zu einer Überlegung von Glen Tullman vom Healthcare Investor 7wire Ventures. Demnach würden große Unternehmen wie Google sich oft darauf konzentrieren, wie sie ihre Technologien auf ein Problem anwenden können, und nicht darauf, eine andere Art der Gesundheitsversorgung zu bieten. Dabei würde es aber darum gehen, Hindernisse wie fehlender Zugang zu Ressourcen und hohe Kosten zu beseitigen, die es vielen Menschen erschwere, die nötige Gesundheitsversorgung zu erhalten, so Tullmann gegenüber MedCityNews.

Google Health hatte sich dagegen weitgehend auf die Gewinnung und Verdichtung von Daten konzentriert. Solche Initiativen würden laut Tullmann zwar leicht in andere Wirtschaftszweige passen, die Gesundheitsbranche sein jedoch einzigartig. "Die Probleme im Gesundheitswesen werden nicht verschwinden, daher denke ich, dass Google und andere Tech-Unternehmen weiterhin versuchen werden, Technologien zu entwickeln, die auf diese Herausforderungen ausgerichtet sind", so Tullman.

Eine dieser Bemühungen könnte bei Google die Rekrutierung von Charles DeShazer als Direktor für klinische Produkte gewesen sein. DeShazer war zuvor als CMO beim Krankenversicherer Highmark tätig. Bei Google wird er sich auf die Entwicklung von Care Studio konzentrieren, dem Pilotprogramm von Google für die Suche nach elektronischen Patientenakten.

Erst im Mai hatte Google Cloud passend dazu eine mehrjährige Zusammenarbeit mit HCA Healthcare abgeschlossen, ein Unternehmen, dass sich auf den Aufbau einer Plattform zur Analyse von Gesundheitsdaten konzentriert. Kurz darauf hatte YouTube hatte eine Initiative zur Bekämpfung von Fehlinformationen gestartet und sich mit Gesundheitsdienstleistern zusammengetan, um seine Plattform mit glaubwürdigen Gesundheitsinformationen zu füllen, darunter die Cleveland Clinic, die Mass General Brigham, die Mayo Clinic in Rochester, Minnesota, die Stanford (Calif.) Medicine und die Kaiser Family Foundation.

Es könnte also sein, dass Google Health zwar tot ist, aber die Wiedergeburt bereits im Gange ist.

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