Frau im mittleren Alter, die nachts wach im Bett lag Shutterstock/Agenturfotografin

Digitale Lösungen gegen häusliche Gewalt

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In der aktuellen Situation erleben die Hilfsstellen für häusliche Gewalt eine erhöhte Nachfrage. Auf dem Hackathon “WirvsVirus” wurden neue Ansätze entwickelt, die das bestehende Angebot ergänzen sollen.

Häusliche Gewalt - primär gegen Frauen – ist leider kein neues Problem. Laut Bundesamt für Statistik hat jede dritte Frau diese bereits erfahren. Digitale Lösungen bieten nun Betroffenen noch mehr Hilfestellung für Notsituationen.
Das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) bietet neben dem regulären Hilfetelefon (08000 116 016) den Online-Chat "Gewalt gegen Frauen" an. Betroffene können sich zwischen 12 und 20 Uhr per Chat an die Hilfsstelle wenden. Dort können Frauen Unterstützung bei der Suche nach einem Platz in einem Frauenhaus erhalten. Jede zehnte Frau bevorzugt das digitale Gespräch anstatt eines telefonischen Austauschs. Dabei werden alle Frauen zu ihrem Schutz unter einem Pseudonym registriert. Seit Beginn der Coronakrise verbucht das Bundesamt einen Anstieg um 20 Prozent bei den Hilfesuchenden.

Aus dem "WirvsVirus"-Hackathon sind zwei weitere Initiativen hervorgegangen, die das Hilfsangebot ausweiten. Seit zwei Wochen ist die Online-Plattform "Sichere Zukunft" online. Dort können Unterkünfte registriert werden für den Fall, dass Frauenhäuser überfüllt sind. Spenden und Unterstützung durch das Familienministerium finanzieren diese Maßnahme.

"Mental Mentor" ist ein weiteres Angebot, das sich an Opfer häuslicher Gewalt richtet. Auf der Webseite werden die Probleme der Betroffenen per Fragebogen erfasst. Ein Algorithmus stellt ein Angebot an Apps und Hilfsprogrammen zusammen, die in den individuellen Fällen weiterhelfen können. Neben der Webseite ist die Entwicklung einer App geplant - diese soll psychotherapeutische Betreuung per Videochat ermöglichen. Das Mental-Mentor-Team arbeitet daran, dass eine Inkognito-Version der App erscheint. Weil Frauen in gewalttätigen Beziehungen häufig streng von ihren Partnern kontrolliert werden, soll sie unscheinbar wirken und als Gewalttagebuch dienen, mit dem Frauen ihre Verletzungen und Vorfälle dokumentieren können.

Sie erfahren Gewalt? Hier bekommen Sie Hilfe:
  • Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" des Familienministeriums: 08000 116 016, jeden Tag 24 Stunden erreichbar
  • Opfer-Telefon des Weißen Rings: 116 006, täglich von 7 bis 22 Uhr
  • "Nummer gegen Kummer" für Kinder und Jugendliche: 116 111, montags bis samstags von 14 bis 22 Uhr
  • "Nummer gegen Kummer" Elterntelefon: 0800 111 0550, montags bis freitags von 9 bis 11 Uhr, dienstags und donnerstags von 17 bis 19 Uhr

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