Bürgerforschung zu Pollen Stocksy/Alexey Kuzma

Wie Sie mit dem Smartphone der Forschung helfen können

Mit dem Handy in der Hand Bürgerforscher:in werden – das ist ganz einfach. Citizen Science ist im Kommen. Das Phänomen ist zwar nicht neu, durch die Digitalisierung bekommt es aber Aufschwung. Fünf Projekte aus dem Gesundheitsbereich

Ins Labor fahren, dort im Wartezimmer sitzen, lange Fragebögen ausfüllen: Es ist oft aufwändig, an wissenschaftlichen Projekten teilzunehmen. Für die Bürgerforschung gilt das nicht: Hier reichen oft ein Smartphone und zehn Minuten Zeit. Per App kann man seine Beobachtungen eintragen, ein Spiel spielen oder eigene Forschungsfragen vorschlagen. Bei diesen fünf Projekten geht das besonders einfach.

1. Pollen-Infos sammeln

Ob Gräser, Birke oder Hasel: Laut Schätzungen haben 15 Prozent der Erwachsenen im Lauf ihres Lebens mit Heuschnupfen zu kämpfen. Die Klimakrise könnte das Problem verschärfen – auch, wenn viele Zusammenhänge noch ungeklärt sind. Als gesichert gilt, dass viele Pollen deshalb früher fliegen, manche auch länger, und dass durch den Klimawandel invasive Arten dazukommen. Ein Projekt im Forschungsverbund "BAYSICS" will mehr darüber herausfinden, welche Pflanzen wann blühen. Teilnehmen kann man, indem man in die gleichnamige App Informationen über Bäume, Sträucher und Gräser in der Nähe einträgt und Fotos hochlädt. Allergiker:innen können Beschwerden dokumentieren und bekommen einen Überblick: Leide ich im Mai besonders? Schlagen die Medikamente an? Die eigenen Beobachtungen kann man auch mit in die ärztliche Praxis nehmen.

2. Migräne-Attacken festhalten

Wer unter Migräne leidet, kennt das: stechende Schmerzen in einer Gehirnhälfte, Übelkeit oder Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Solche Attacken kann man in eine App eintragen. "Mira – Migräne-Radar" ist ein digitales Schmerztagebuch. Damit lässt sich festhalten, wann die Schmerzen auftreten, wie intensiv sie sind und wie lange sie anhalten. Die Daten helfen Wissenschaftler:innen etwa bei der Suche nach möglichen Auslösern. Betroffene bekommen eine individuelle Auswertung und können ihr Tagebuch ihren Ärzt:innen zeigen.

Mehr Citizen Science

In Deutschland hat sich "Bürger schaffen Wissen" als Plattform für Projekte aus der Bürgerforschung etabliert. Man kann nach Ort, Art der Beteiligung und Interesse filtern – und sich auch an neuen Gesundheitsprojekten beteiligen.

3. Gedächtnisspiele machen

Wirkt sich die Covid-19-Pandemie auf unser Gedächtnis aus? Ein Projekt will das herausfinden. Eine Corona-Infektion und eine Erkrankung könnten unsere geistige Fitness beeinflussen. Außerdem ist es denkbar, dass sich die psychischen Belastungen durch Lockdown und Homeschooling auf unsere Gedächtnisleistung auswirken. Mitmachen kann also auch, wer keine Covid-19-Erkrankung hatte. Einfach die App "neotiv" herunterladen und Aufgaben lösen: Mal sind das Gedächtnistests, mal Fragebögen rund um Alltag oder Stimmung. Die Wissenschaftler:innen wollen auch langfristige Auswirkungen untersuchen, deshalb ist Ausdauer gefragt: Idealerweise beteiligt man sich bis zu zwei Jahre lang.

4. Für die Hirnforschung durchs Weltall tingeln

Kognitive Hirnfunktionen testen, klingt nicht nach Spaß. Die App "Brain Explorer" schon eher. Bei einem Spiel hüpft man im Astronauten-Anzug durchs Weltall, sucht Aliens und soll Schätze auf fremden Planeten aufspüren. Dabei trifft man ständig Entscheidungen. Der Hintergrund: Wissenschaftler:innen wollen herausfinden, wie psychische Gesundheit und Hirnentwicklung zusammenhängen – und der Frage nachgehen, warum es manchen Menschen schwer fällt, solche Entscheidungen zu treffen. Zwischendurch beantwortet man Fragen zum eigenen Verhalten – etwa ob man Dinge zählen oder mehrmals kontrollieren muss.

5. Themen für Gesundheitsstudien vorschlagen

Hilft Yoga bei Burnout? Und bringt Musiktherapie etwas bei einer Krebsbehandlung? Solche Forschungsfragen kann man ganz einfach online vorschlagen – beim Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Das Institut untersucht, wie gut medizinische Behandlungen sind. Zulässig sind alle Themen rund um Vorsorge und Früherkennung, Diagnostik, Behandlung und Rehabilitation. Nur die Bewertung von Arzneimitteln ist nicht vorgesehen. Bis zu fünf Themen wählt das Institut im Jahr aus und lässt Wissenschaftler:innen-Teams dazu forschen. Die Ergebnisse kann man auf der Website nachlesen.

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