Apps für Chronische Krankheiten istock/MixMedia

So finden chronisch Kranke gute Medizin-Apps

4 Min. Lesezeit

Apps können im Leben mit chronischen Erkrankungen wie Brustkrebs in vielfältiger Weise unterstützen. Bei der Suche nach verlässlichen und nützlichen Angeboten helfen zwei medizinische Verzeichnisse

Smartphones sind aus dem heutigen Alltag nicht mehr wegzudenken. Auf dem Markt gibt es auch eine Vielzahl an Gesundheits- und Medizin-Apps (in der Fachsprache auch mHealth genannt). Das Angebot ist breit gefächert und reicht von Wellness-Apps oder Fitness-Helfern über komplexe Anwendungen zur Diagnose bis zu digitaler Unterstützung in der Nachsorge einer Erkrankung.

Laut Statista Global Consumer Survey nutzen bereits 21 Prozent der 18 bis 64-Jährigen regelmäßig Gesundheitsapps. Allerdings wollen die wenigsten Geld dafür ausgeben. Hier kommt das Digitale-Verordnung-Gesetz (DVG) sehr gelegen: Mit dem Inkrafttreten des (DVG) zum 19.12.2019 wurde das Fundament für eine "bessere Versorgung durch Digitalisierung und Innovation" in Deutschland gelegt.

Unter anderem können Apps auf Rezept verordnet und Sprechstunden per Video abgehalten werden. Damit ist Deutschland weltweit der erste Staat, welcher Apps als reguläre Leistung der Krankenkasse einführt. Verschrieben werden können nur Apps, die als sogenannte digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) zugelassen sind.

Digitale Hilfe für Menschen mit Krebs

Chronisch Kranke zählen zur wichtigsten Zielgruppe für mHealth-Anwendungen und können am stärksten davon profitieren. Zum Beispiel Menschen mit Brustkrebs. Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen mit fast 30 Prozent aller Krebsneuerkrankungen in Deutschland.

Auch Männer können an Brustkrebs erkranken, ihr Anteil ist mit 0,3 Prozent aber sehr gering. Besonders häufig betroffen sind Frauen ab dem 50. Lebensjahr. Die höchste Erkrankungsrate liegt bei 65 bis 69 Jahren, ab dem Alter von 70 Jahren sinkt das Brustkrebsrisiko wieder leicht. Doch auch jüngere Frauen können erkranken.

Entscheidungshilfen für die Wahl der richtigen App

Doch wie können Patient:innen und auch Ärzt:innen erkennen, ob eine App qualitativ hochwertig ist oder sogar als DiGA zugelassen ist? 

Ein Blick ins DiGA-Verzeichnis zeigt: Bisher sind nur zwei Apps für Menschen mit Krebs als App auf Rezept verfügbar. Schwierig ist die Beurteilung der Qualität von Apps. Hier fehlt es bisher an Transparenz und Orientierung. Es ist oft nur möglich, sich in den App-Stores oder auf den Anbieter-Webseiten zu informieren.

So bleibt vielfach unklar, welchen Qualitätskriterien eine App genügt; ob sie zum Beispiel zertifiziertes Medizinprodukt der Klasse I oder IIa sind, und damit höhere Anforderungen erfüllen muss als eine Lifestyleapp oder ein Wellnessprodukt.

Eine Initiative, die hier Orientierung geben möchte, ist die Weisse Liste der Bertelsmann-Stiftung. Die Bertelsmann-Stiftung will Standards für die Beurteilung der Qualität von medizinischen Apps entwickeln und darüber hinaus Informationen für die verschiedenen Zielgruppen anzubieten.

Die aktuelle Beta-Version der Weissen Liste basiert auf freiwilligen Selbstauskünften von Herstellern, wobei zur Orientierung der Nutzer:innen die Erfüllung der sogenannten "AppQ-Kriterien", die neun Themenbereiche umfassen, bewertet wird. Zukünftig sollen Gesamtbewertungen von Apps erfolgen und das Siegel "Trusted Health App" vergeben werden, sodass für Patient:innen sofort ersichtlich ist, welche App qualitative Standards erfüllt. Zusätzlich sollen weitere Angebote auch speziell für Ärzt:innen folgen.

Therapiebegleitende Apps bei Brustkrebs

Betrachtet man das App-Angebot speziell für Krebspatient:innen in den App-Stores auf dem deutschen Markt, gibt es bei über 40 verfügbaren Apps stand heute (Juli 2021) nur zwei, die bereits zertifiziertes Medizinprodukt sind: Cankado und Mika. Beide Apps wurden kürzlich in das Verzeichnis für digitale Gesundheitsanwendungen aufgenommen und können demnach auf ärztliches Rezept verordnet werden.

Während Cankado für die Anwendung bei Brustkrebs verschrieben werden kann, ist Mika für alle Krebsarten zugelassen.

Cankado: Tagebuch-App für Brustkrebspatient:innen

Die Cankado-App  ermöglicht es Krebspatient:innen, täglich Symptome, Schmerzstatus sowie Medikamenteneinnahme zu dokumentieren und sich diese Informationen anschließend im Tagebuch als Monats- oder Jahresverlauf anzeigen zu lassen. Diese dokumentierten Daten können bei Bedarf von Ärzt:innen eingesehen werden. Weiterhin kann die App Patient:innen an die Medikamenteneinnahme erinnern und erlaubt es, medizinische Dokumente hochzuladen.

Um allerdings individuelle Empfehlungen auf Basis von Fragebögen nach dem Prinzip der Patient Reported Outcomes (durch die Patient:innen dokumentierte Therapieerfolge) zu erhalten, ist die kostenpflichtige Vollversion notwendig. In den App-Stores erhalten die Nutzer:innen die kostenlose Basisversion, welche durch die Eingabe eines vom Arzt oder der Ärztin erhaltenen Lizenzschlüssels erweitert werden kann.

Mika: Die App als interaktive Therapieassistentin

Die zweite App für Krebspatient:innen nennt sich Mika und ist eine interaktive Therapieassistentin. Hier erhalten Krebspatient:innen individuell auf die persönliche Erkrankung zugeschnittene Informationen zum Selbstmanagement. Auch in der Mika-App werden Symptome und Befinden täglich mithilfe eines einfachen Check-ups dokumentiert und über einen Monats- oder Jahresverlauf angezeigt.

Zusätzlich zu Informationen, Bewegungsübungen und praktischen Tipps für den Alltag mit Krebs bietet Mika sogenannte Themenreisen an. Diese Themenreisen wurden mit Psychoonkolog:innen entwickelt und sollen dem Krebspatient:innen helfen, mit den seelischen und psychischen Folgen der Krebserkrankung besser umzugehen. Die Mika-App ist in jeder Behandlungsphase einsetzbar und kann kostenlos in den App-Stores heruntergeladen werden.

Fazit

Das Potenzial von mHealth ist groß und auch Menschen mit Krebs können durch Apps wertvolle Unterstützung erfahren. Aktuell ist es aufgrund der mangelnden Transparenz sowohl für Laien als auch für Ärzt:innen oder Therapeut:innen schwer, qualitativ hochwertige Apps als solche zu erkennen. Eine Orientierungshilfe von Seiten unabhängiger oder staatlicher Institutionen wäre wichtig, um die Digitalisierung im Gesundheitswesen voranzutreiben.

Über die Autorinnen:

Dieser Gastbeitrag ist im Rahmen der Masterarbeit von Laura Teetz an der Universität Bamberg (Studiengang Master Betreibswirtschaftslehre) zum Thema "Potenziale von mHealth für die positive Beeinflussung der Adhärenz von Brustkrebspatienten/-innen" entstanden. Nach Abschluss der Masterarbeit absolvierte Laura Teetz ein Traineeprogramm im Pharmahandel. Aktuell vertritt sie als Gebietsleiterin eine Apothekenkooperation.

Betreut wurde die Masterarbeit von Prof. Dr. Stefanie Scholz. Sie ist Professorin für Sozialwirtschaft an der SRH Wilhelm Löhe Hochschule in Fürth. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen die Förderung von Patienten-Empowerment durch Patient Journey-orientierte Informationen sowie die Verbesserung intersektoraler Versorgungskonzepte

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