Frau im Rollstuhl nutzt Apps auf ihrem Smartphone iStock/Azman Jaka

Inklusion digital – wie Apps Menschen mit Behinderungen unterstützen

8 Min. Lesezeit

Das Smartphone ist für Blinde, Gehörlose und Menschen im Rollstuhl ein wertvoller Assistent im Alltag. Apps ermöglichen mehr Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben

Das sollten Sie wissen
  • Apps leisten einen wichtigen Beitrag zur Inklusion
  • Softwareanwendungen für mobile Endgeräte wie Smartphone oder Tablets können Menschen mit Behinderung im Alltag helfen
  • Wichtige Voraussetzung dafür: auch die Apps müssen barrierefrei sein

Für Menschen mit Handicap ist der Alltag voller Hindernisse: Einkaufen, Reisen oder einfach nur Telefonieren können für Blinde, Schwerhörige oder Menschen im Rollstuhl zur Herausforderung werden. Oft fehlen barrierefreie Angebote, die eine selbständige Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen. Genau hier setzen neue Smartphone-Apps und andere digitale Hilfsmittel an. "Technik hat für Menschen mit Behinderungen immer schon eine wichtige Rolle gespielt", sagt auch Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverband VdK Deutschland e. V. und selbst blind. "Gerade in den letzten Jahren hat sich richtig viel in diesem Bereich getan."

Smartphone ersetzt Augen und Ohren

Digitale Helfer bieten vielfältige Unterstützung – von der Navigationsbrille, die Hindernisse erkennt bis zur automatischen Übersetzung von Gesprächen in Schrift- oder Gebärdensprache. Vor allem das Smartphone ist für Menschen mit Behinderung mehr als Telefon, MP3-Player und Minicomputer mit Internetzugang. Mit den richtigen Apps kann es Augen und Ohren ersetzen, Blinde durch unbekannte Umgebungen leiten oder für Menschen im Rollstuhl barrierefreie Wege zu speziellen Orten hin finden. Mitunter retten digitale Anwendungen sogar Leben. So gibt es Apps, die Blinde Zuckerkranke mit einem Signalton warnen, wenn die Werte gefährlich entgleisen.

Anders als viele behindertengerechte Hilfsmittel wie etwa die Navigationsbrille ist das Smartphone handlich und allgegenwärtig. Das ist ein wesentlicher Vorteil. "Wenn ich zum Beispiel einen Text mit dem Mobiltelefon einscannen kann, kann ich das auch mal unterwegs im Laden machen", so Bentele. Alle Hindernisse schafft das Smartphone freilich nicht aus der Welt. "Zu oft stehen zum Beispiel auf Packungen Informationen nicht so, dass ich sie einfach finde. Dann hilft die persönliche Assistenz mehr als die App." Die Welt ist nur selten barrierefrei.

Barrierefreie Apps

Apps, die möglichst vielen Menschen helfen sollen, müssen barrierefrei sein. Das hätten leider noch nicht alle Entwickler im Blick, bemerkt Bentele. Menschen mit Einschränkungen nutzen im Internet natürlich auch den Wetterbericht, verfolgen Nachrichten, wollen Essen bestellen oder Filme schauen, die automatisch untertitelt sind.

Barrierefreie Apps bieten

  • deutliche Kontraste im Design
  • eine gut lesbare Schriftart
  • und veränderbare Schriftgrößen.

Zur Barrierefreiheit gehört auch eine Sprachausgabe. Barrierefreie Apps sind nicht nur für Menschen mit Behinderungen geeignet, sondern auch für ältere Menschen und im Idealfall für alle leichter nutzbar.

Wo finde ich hilfreiche Apps?

In den folgenden Artikeln stellen wir eine Auswahl von Apps für verschiedene Bedürfnisse vor. Wie immer gilt auch hier: Letztlich muss man selbst ausprobieren, was für einen persönlich funktioniert und was nicht.

Zum Artikel "Apps für blinde und sehbehinderte Menschen"

Zum Artikel "Apps für Gehörlose"

Zum Artikel "Barrierefrei! Apps für Menschen im Rollstuhl"

Hier finden Sie weitere Informationen

Wer nach speziellen Apps sucht, kann auch bei den entsprechenden Verbänden nachfragen. Beim Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband gibt es zum Beispiel eine Koordinationsstelle Hilfsmittelberater, an die man sich wenden kann.

Auch das Portal "REHADAT-Hilfsmittel" gibt Auskunft. Hier kann man gezielt nach einer App für individuelle Bedürfnisse suchen. Das Portal ist Teil des REHADAT-Informationsangebots. REHADAT ist ein Projekt des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln e. V., gefördert vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) aus dem Ausgleichsfonds.

Newsletter Anmeldung

Jede Woche aktuelle News und Hintergründe direkt in Ihr Postfach

Anmelden