Seniorin schaut beim Training auf ihre Smartwatch in der Natur iStock/monkeybusinessimages

Gesundheitsangst durch Smartwatch? 916 EKGs und 12 Arztbesuche

916 Messungen mit der Smartwatch und 12 Arztbesuche in einem Jahr: Eine ältere Frau aus den USA macht sich große Sorgen um die Gesundheit ihres Herzens. Ursache ist wohl auch ihre Smartwatch

Bei der 70-Jährigen sei zwar ein Jahr zuvor die Diagnose Vorhofflimmern gestellt worden, wie das US-amerikanische Technikportal "The Verge" berichtet. Das ist eine Herzrhythmusstörung, bei der das Herz unregelmäßig und schnell schlägt. Allerdings habe sie danach keine besorgniserregenden Symptome gehabt. Dennoch sei dem Portal zufolge eine weitere Diagnose gestellt worden: Gesundheitsangst.

Wie Smartwatches Angst auslösen

Die Patientin sei kein Einzelfall, sagte Lindsey Rosman, Assistenzprofessorin für Medizin in der Abteilung für Kardiologie an der University of North Carolina School of Medicine: "Patienten mit zugrundeliegenden Herzrhythmusstörungen, Herzklopfen oder unregelmäßigem Herzschlag kamen in die Klinik mit buchstäblich Stapeln von Papieren mit Daten von ihren Smartwatches."

Grundsätzlich seien Smartwatches eine tolles Hilfsmittel: Sie unterstützen Ärzt:innen bei der Aufklärung, seien ein hervorragendes Instrument zur Einbindung der Patient:innen und ermöglichten Forscher:innen einen umfassenden Einblick, meint Rosman. Aber: "Gleichzeitig können sie bei einigen Patienten unbeabsichtigt Ängste auslösen und aufrechterhalten."

Woher kommt die Angst?

Das liege wohl daran, dass Informationen über die eigene Gesundheit ständig abrufbar seien. "Das kann zu einer krankhaften Symptomüberwachung führen", erklärt die Medizinerin laut "The Verge". Hinzu kommt: Patient:innen können die Werte oft nicht richtig einordnen. Laut Rosman seien einige über harmlose Messungen – etwa einen Anstieg der Herzfrequenz beim Sport – besorgt. Für viele Patient:innen sei das Anlass, das Gerät immer häufiger zu benutzen.

Es ist laut dem Bericht noch nicht klar, wie viele Menschen diese Art von Angst haben oder welche Risikofaktoren sie wahrscheinlicher machen. Möglich sei, dass die Angst auch bei anderen Gesundheitsdaten, die von Smartwatches erfasst werden, auftritt. Vor dem Hintergrund der Coronapandemie zum Beispiel bei der Atemfrequenz oder der Sauerstoffsättigung.

Mehr Aufklärung nötig

Medizinerin Rosman will untersuchen, wie sich diese Art von Angst auf die Gesundheit und Lebensqualität der Patienten auswirkt und ob sie Menschen dazu bringt, unnötige medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Die 70-Jährige Frau hatte laut dem Bericht vor allem auf die Benachrichtigungen ihrer Smartwatch reagiert und dann ein EKG aufzeichnen lassen. Insgesamt 916 in einem Jahr. Zwölfmal habe sie innerhalb dieses Zeitraums eine Praxis besucht – ohne körperliche Symptome, die das notwendig gemacht hätten.

Die Entstehung dieser Gesundheitsangst schmälere nicht den potenziellen Nutzen von Wearables wie Smartwatches, meint Rosman. Aber Ärzte und Hersteller sollten besser zusammenarbeiten, um Patienten besser darüber aufzuklären, wie solche Geräte verwendet und die Daten interpretiert werden.

Newsletter Anmeldung

Jede Woche aktuelle News und Hintergründe direkt in Ihr Postfach

Anmelden