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Krankschreibung per App & Co. – so funktioniert’s

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Volle Wartezimmer, hohes Infektionsrisiko: In Zeiten der Corona-Krise ist vielleicht nicht jeder Besuch bei einer Ärztin oder einem Arzt nötig. Wer jetzt nur eine Krankschreibung braucht, kann die Bescheinigung auch per App, Internet oder Telefon bekommen. Wir beschreiben Chancen und Grenzen der digitalen Krankschreibung.

Was Sie wissen sollten
  • Eine Krankschreibung gibt es nicht mehr nur in die ärztliche Praxis sondern auch per App, Internet oder Telefon
  • Um Missbrauch zu verhindern, kann es Einschränkungen bei Diagnosen, Dauer und Häufigkeit der Krankschreibung geben
  • Die Kosten liegen zwischen 14 und 46 Euro

Schon vor der aktuellen Situation waren Teile der Politik bemüht, den virtuellen Besuch in der ärztlichen Praxis zu erleichtern. Nun schafft die Lockerung des Fernbehandlungsverbotes die rechtliche Grundlage. Ärztinnen und Ärzten ist es auch in Deutschland gestattet, eine Diagnose via Telefon oder Internet zu stellen. Um ohne persönlichen Kontakt eine offizielle Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) zu erhalten, haben Kranke mehrere Möglichkeiten.

  • Wer Unternehmen wie Kry, Teleclinic oder Medgate kontaktiert, bekommt in einer Videosprechstunde eine echte Ärztin oder einen echten Arzt zu Gesicht. Wenn es medizinisch erforderlich ist, erhalten gesetzlich wie privat Versicherte eine AU per E-Mail oder App, die sie nur noch an ihren Betrieb weiterleiten müssen. Die Kosten für das Gespräch inklusive AU und/oder Arztbrief sowie Rezept liegen je nach Service zwischen 14 und 46 Euro. Einige gesetzliche Krankenkassen und Versicherungen wie die Betriebskrankenkasse Mobil Oil und die Barmenia haben Verträge mit Telemedizin-Unternehmen geschlossen, die Versicherten ermöglichen, den Services kostenlos zu nutzen.
  • Beispielsweise auf der Internetseite www.au-schein.de erhalten Sie nach dem Ausfüllen eines Fragebogens und der anschließenden Diagnose durch das telemedizinische Personal eine AU als PDF zum Download oder per E-Mail. Der Service kostet für gesetzlich Versicherte 14 Euro, Privatversicherte zahlen zusätzlich rund 16 Euro mehr. Die AU ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz gültig. Sie darf für maximal drei Tage ausgestellt werden, zwischen den einzelnen Krankschreibungen müssen mindestens 17 Tage liegen. Für Folgebescheinigungen für denselben Krankheitsfall müssen Sie eine Praxis aufsuchen.
  • Bis zum 31. Mai 2020 galt: Gesetzlich Versicherte erhalten - für leichten Erkrankungen der oberen Atemwege, aber auch bei Verdacht einer Infektion mit dem Corona-Virus - für maximal 14 Tage eine AU, selbst wenn es nur einen telefonischen Kontakt gab; die Bescheinigung kommt per Post ins Haus. Diese Sonderregelung wurde jedoch nicht mehr verlängert.

Komfort mit Einschränkungen

Für welchen Zeitraum Sie die AU ausgestellt bekommen, ist oft Verhandlungssache. Einige Telemedizin-Unternehmen begrenzen die Zahl der Krankheitstage und der Krankschreibungen pro Kalenderjahr je nach Diagnose.

Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ohne ärztliche Untersuchung erkennt zudem nicht jeder Betrieb an. Zwar entspricht eine digitale AU den gesetzlichen Vorgaben, wenn sie von in Deutschland approbierten Fachärztinnen oder Fachärzten ausgestellt und digital signiert wurde. Doch das könnte nicht genügen. Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung eines Telemedizin-Unternehmens sei zwar formal in Ordnung, wenn sie rechtzeitig beim Arbeitgeber liege, meint der Anwalt Jan Peter Schiller. Doch ob die Bescheinigung ein ausreichender Nachweis für die Arbeitsunfähigkeit sei, daran könne man begründeten Zweifel haben.

In diesem Fall kann der Arbeitgeber die Echtheit der Erkrankung überprüfen, beispielsweise durch einen Hausbesuch, die Beauftragung einer Detektei oder dem Check der Krankmeldung. Akzeptiert er die Bescheinigung nicht, so bietet zum Beispiel der Betreiber von www.au-schein.de anwaltliche Unterstützung an. Wie wahrscheinlich so ein Vorgehen in der aktuellen Corona-Situation ist, bleibt indes abzuwarten.

Wichtig: Krankschreibungen müssen rechtzeitig beim Arbeitgebenden sein

Folgendes ist in jedem Fall wichtig: Krankgeschriebene müssen ihr Unternehmen umgehend über die Erkrankung telefonisch oder in Ausnahmefällen schriftlich per E-Mail oder Fax informieren. Ganz gleich, ob digital oder Papier: Der Teil der AU, der zur Vorlage in der Firma gedacht ist, muss spätestens am Arbeitstag nach dem dritten Tag der Arbeitsunfähigkeit vorhanden sein; die spätere Vorlage kann ein Kündigungsgrund sein. Doch viele Unternehmen sind weniger streng und lassen ihren Mitarbeitenden zum Teil mehrere Tage Zeit, um die AU-Bescheinigung einzureichen – nicht nur während der Corona-Pandemie.