Datenschutzlücke Shutterstock/Nikolay Antonov

Zwischen Datensicherheit und Patientensicherheit

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Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Ulrich Kelber, hatte kürzlich die Konzeption der elektronischen Patientenakte (ePA) kritisiert, weil diese in weiten Teilen der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) widerspreche. Professor Ferdinand Gerlach, Vorsitzende des Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, weist dies hingegen zurück und betont, dass Gesundheitsschutz vor Datenschutz gehe

Für ihn ist die ePa im Einklang mit der DSGVO gestaltbar. Die Digitalisierung des Gesundheitswesens biete viel mehr Chancen als Gefahren. Problematisch seien die Maßnahmen der deutschen Datenschutzbehörden, die die Gestaltung und Umsetzung der Akte deutlich komplizierter machen.

Eine Opt-Out-Lösung, wie sie in Dänemark und Estland gestaltet wurde, in die Akte zu integrieren, bei der diese nur solange mit allen relevanten Daten befüllt werde, wie der Patient diesem Vorgehen nicht widerspricht, würde mehr Akzeptanz schaffen und Umsetzung erleichtern.

Deutschland steuert solch eine Art von Lösung wird zwar auch an, allerdings sei diese unnötig kompliziert, erklärt Gerlach. Sie beinhaltet vier Einwilligung-Schritte, bei denen der Patient vorab ausdrücklich bei seiner Krankenkasse um eine elektronische Akte bitten muss. Dann muss jeder Kontakt zu einem Arzt oder Apotheker ausdrücklich zugestimmt werden, im Einzelfall muss der Patient auch festlegen, wer welche Daten einsehen darf. Und schließlich kann er entscheiden, ob und welche Daten zu Forschungszwecken herangezogen werden dürfen.

Dabei ermöglicht die Block-Chain-Technik jeden Eingriff exakt verfolgen können. Jeder unbefugte Zugriff würde in der Akte dokumentiert und der Datenschutz gewährleistet. Die DSGVO sehe solch einen komplizierten Vorgang noch nicht einmal vor, erklärt Gerlach. Sie sehe die Nutzung von Gesundheitsdaten zu Forschungszwecken ausdrücklich vor, wenn das im öffentlichen Interesse ist.

Daher würde in Deutschland ein löchriges Sammelsurium an Daten zusammen kommen, eine "digitale Aldi-Tüte", von der niemand wisse, ob der Inhalt vollständig und aktuell sei, so Gerlach.


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