Impfung Influencer Corona USA istock/Mario Arango

US-Regierung engagiert Influencer:innen für Impfkampagne

3 Min. Lesezeit

Damit Impfkampagnen ihre Zielgruppen erreichen, müssen sie auch ungewohnte Wege gehen. Der Digital Ratgeber beschreibt ein “best practice” Beispiel aus den USA

Noch immer sind weltweit nicht genug Menschen gegen Covid geimpft. Neben Mangel an Impfstoffen macht sich in Teilen der USA und Europa jetzt "Impfmüdigkeit" breit. Doch wie motiviert man Menschen zur Impfung?

In Deutschland setzt man auf Fleischwaren. Etwa die Bratwurst-Impf-Aktion im thüringischen Sonneberg. Die USA geben dagegen den digitalen Vorreiter: Influencer:innen werben dort für die Coronaimpfung, Auftraggeber ist das Weiße Haus.

Wer zu Beginn der Coronaimpfungen geschrieben hätte, dass Influencer:innen des Videoportals TikTok demnächst in den USA dafür werben, wäre im vermutlich Satire- oder SPAM-Ordner gelandet. TikTok gehört dem chinesischen Online-Giganten Beijing Bytedance Technology.

Junge Menschen abholen

Warum gerade TikTok? Vermutlich hat sich die US-Regierung um Präsident Joe Biden an lokalen Bundesstaaten orientiert, die bereits seit einiger Zeit lokale "Micro Influencers" für Impfkampagnen einspannen.

Im Weißen Haus denkt man groß. Wie die New York Times schrieb, erhielt die 17-jährige Ellie Zeiler, eine TikTok-Influencerin mit über zehn Millionen Followern, im Juni überraschend E-Mail von einer Agentur. Die Anfrage: Ob Zeiler, die sonst kurze Mode- und Lifestyle-Videos postet, nicht an einer vom Weißen Haus unterstützten Kampagne teilnehmen wolle, die ihr Publikum auffordert, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. "Es besteht ein enormer Bedarf, das Bewusstsein in der Altersgruppe der 12- bis 18-Jährigen zu schärfen", so die Agentur.

Die junge Influencerin sagte zu und schloss sich einer Kampagne an, die die dringendste Herausforderung im Kampf gegen die Corona-Pandemie angehen will: die Impfung der über Hälfte ungeimpften Amerikaner im Alter von 18 bis 39.

Zeiler ist nun Teil eines Teams von mehr als 50 Twitch-Streamern, YouTubern, TikTokern und dem 18-jährigen Popstar Olivia Rodrigo, die über ein großes, landesweites Online-Publikum verfügen. Lokale US-Regierungen hatten bereits ähnliche Kampagnen gestartet und bezahlen in einigen Fällen lokale Mikro-Influencer:innen mit 5.000 bis 100.000 Followern mit bis zu 1.000 Dollar pro Monat, um bei ihren Fans für Covid-19-Impfstoffe zu werben.

Gegen Fehlinformationen im Netz

Die ungewöhnlichen Bemühungen der US-Regierung, so die Autorin Taylor Lorenz in ihrem New-York-Times-Artikel, sind auch eine Reaktion auf die wachsende Zahl von Fehlinformationen über Impfstoffe, die das Internet überschwemmen. Gerade der Online-Riese Facebook steht hier in der Kritik. Der Vorwurf: Facebook verdient Geld mit der Verbreitung bewusster Falschinformationen. Beispielhaft ist der überraschende Erfolg des Joseph Mercola, einem Osteopathen aus Florida, der allein über 600 Anti-Impf-Artikel auf Facebook veröffentlicht hat.

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