Kostenlose App"KrisenKompass" hat sich als Notfallhilfe bewährt Pressebild Telefonseelsorge/Adobe Stock/Denys Prykhodov

Notfallkoffer für die Hosentasche

1 Min. Lesezeit

Die App „KrisenKompass“ kann bei depressiven Stimmungen und Suizidgedanken unterstützen. Die Telefonseelsorge zieht nach einem Jahr eine positive Bilanz

Seit einem Jahr bietet die Telefonseelsorge die App KrisenKompass als weiteren Baustein der Krisenintervention an. Sie richtet sich an Menschen, die sich in einer psychischen oder gar suizidalen Krise befinden.  Aber auch Angehörige und Freunde, die Betroffene unterstützen möchten oder Menschen, die eine nahestehende Person durch Suizid verloren haben, können von der App profitieren.

Mit Hilfe von Tagebucheinträgen oder persönlichen Foto- und Erinnerungsarchiven kann ein persönlicher digitaler Notfallkoffer für schlechte Momente gepackt werden.

Darüber hinaus gibt es Materialien, die in Krisensituationen hilfreich sind, Hinweise zu beruhigenden Techniken, sowie direkte Kontaktmöglichkeiten zur Telefonseelsorge und anderen professionellen Anlaufstellen. Das Angebot ist als App jederzeit in Griffweite auf dem Handy und damit immer dabei, wenn es nötig wird.

Genau zur richtigen Zeit

 "Es war natürlich ein Zufall, dass wir den "KrisenKompass" fast zeitgleich mit dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 fertiggestellt haben", sagt Dr. Stefan Schumacher, Leiter der Telefonseelsorge Hagen-Mark und einer der Initiatoren der App.

"Im Nachhinein stellen wir fest: er hätte gar nicht passender kommen können. Denn inzwischen wissen wir, dass depressive Stimmungen und Suizidgedanken in der Krise zugenommen haben oder jedenfalls deutlich häufiger von unseren Kontakten am Telefon, per Mail oder Chat genannt werden, als vor der Pandemie."

Laut Telefonseelsorge wurden im vergangenen Jahr über eine Millionen telefonische und rund 41.500 persönliche Beratungsgespräche geführt. Hinzu kämen 44.600 Mails und etwa 33.500 Chats. Die App wurde bislang etwa 11.000 Mal in den App Stores heruntergeladen. "Insgesamt ergänzt die App unser Unterstützungsangebot perfekt und ist gerade durch ihre Niederschwelligkeit ein Einstieg in die Kommunikation über dieses schwierige Thema", so Bernhard Wagener, stellvertretender Dienststellenleiter der Telefonseelsorge in Siegen.

Kritik gab es von den Nutzern:innen hinsichtlich der Barrierefreiheit. Das Thema möchte das Entwickler-Team nun angehen.

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