Virtuelle Realität in der Physiotherapie und Schmerzbehandlung adobe.stock/Lucky7Trader

Mehr als E-Rezept: E-Health-Trends aus den USA

4 Min. Lesezeit

Onlinesprechstunden, Therapien per App und eine elektronische Patientenakte – das ist die Grundausstattung der digitalen Gesundheitswelt. Welche Potenziale für eine bessere medizinische Versorgung sich sonst noch auftun, zeigt ein Blick in die USA. Der Digital Ratgeber stellt vielversprechende Trends vor

Der Tech-Gigant Amazon investiert in eine Reihe digitaler Gesundheitsunternehmen, die auch für Europa interessant sein könnten. Die Angebote der Firmen reichen von virtuellen medizinischen Assistenten über die Fernüberwachung von Patienten bis hin zur Automatisierung von Gesundheitsdiensten. Künstliche Intelligenz (KI) spielt immer öfter eine zentrale Rolle.

Virtuelle Gesundheitsbutler für Patient:innen

KI-Chatbots oder virtuelle Assistenten können Patient:innen helfen, Beschwerden einzuordnen und Ratsuchende an die richtige Behandlung verweisen. Sie arbeiten zum Beispiel mit Chatbots, die Symptome abgleichen und sich in die Krankenakte der Patient:innen integrieren lassen. In den USA ist hierfür bereits FrontEnd der Firma Gyant im Einsatz.  
Das Unternehmen Aiva setzt auf die menschliche Sprache. Das sogenante Voice Operating System (OS) von Aiva nutzt Google Home, Amazon Echo und andere intelligente Lautsprecher, um Patient:innen mit Pflegenden zu verbinden. Über eine mobile App können Pflegekräfte zum Beispiel Hilfeanfragen verwalten. Auch ist es möglich, die Einstellungen der Sprachassistenten und die Interaktion mit anderen intelligenten Geräten wie Fernsehern, Lampen und Thermostaten zu steuern.
Die Firma Ejenta wiederum ist dabei, eine KI-gestützte Patientenüberwachungsplattform zu entwickeln, die auf der NASA-Technologie zur Überwachung von Astronauten im Weltraum basiert. Dabei handelt es sich im Prinzip um eine erweiterte Version der Aiva Health-Plattform, die sowohl Sensoren als auch Daten von Wearables über einen virtuellen Assistenten integriert. Diese sogenannten intelligenten Agenten nutzen die Daten, um mehr über die Nutzer zu erfahren, Anomalien zu erkennen und Gesundheitsprobleme im Voraus vorherzusagen.

Eine Gesundheitsapp für alles

Die elektronische Patientenakte, die in Deutschland noch auf sich warten lässt, gibt es in USA bereits in XXL. All-in-One-Plattformen wie etwa von B.well oder OneRecord, versprechen, alles was für die individuelle Gesundheit wichtig ist, an einem digitalen Ort zusammenzuführen. Dazu gehören neben umfangreichen medizinischen Daten auch Infos von Wearables, genomische Daten, Laborergebnisse sowie Infos über eingenommene Medikamente. Die Plattformen machen diese Daten Ärzt:innen, Apotheken und Versicherungen zugänglich. Sie bieten außerdem Services. So werden die Nuter:innen teilweise per Push-Benachrichtigung an  bevorstehende Impfungen erinnert oder auf Basis des letzten Cholesterinchecks dazu motiviert, zum Beispiel auf Kartoffelchips besser zu verzichten.

Physiotherapie mit Virtual Reality (VR)

Virtual-Reality-Systeme eröffnen buchstäblich neue Welten in der medizinischen Behandlung. Sie können zum Beispiel in der Physiotherapie, in der Schmerzbehandlung oder in der medizinischen Ausbildung. Das Unternehmen Neuro Rehab nutzt dieses System, um maßgeschneiderte VR-Trainingsübungen für individuelle therapeutische Bedürfnisse zu entwickeln und hat dafür die Zulassung der Food and Drug Administration (FDA) erhalten. Die FDA ist eine US-amerikanische Behörde, die für die Zulassung und Marktüberwachung von Lebensmitteln, Medikamenten und Medizinprodukten verantwortlich ist.

Künstliche Intelligenz erkennt Risikopatient:innen

Algorithmen kommen in der Medizin bereits vielfach zum Einsatz. Sie können zum Beispiel Röntgenbilder teilweiser treffsicherer interpretieren, als Fachärt:innen. Auch der Dienst Pieces Predict der US-Firma Pieces nutzt Cloud-basierte künstliche Intelligenz. Die Algorithmen analysieren Patientendaten und können so mögliche Risikopatient:innen identifizieren, die eine Behandlung brauchen. Die Technologie ist weniger für Patient:innen selbst, sondern für Gesundheitsdienstleister interessant. Denn sie soll helfen, eine frühzeitige und effiziente Versorgung zu gewährleisten. Zwei weitere Lösungen, Connect und Guide, verwalten Sozialdienste für Patienten bzw. verbinden die Patienten mit ambulanten Diensten.

Newsletter Anmeldung

Jede Woche aktuelle News und Hintergründe direkt in Ihr Postfach

Anmelden