Inklusion Japan Roboter als Dienstleister für Menschen mit Behinderung Pressebild Orylab.com

Inklusion digital: Im Roboter-Café finden Menschen mit Behinderung Arbeit

2 Min. Lesezeit

Was haben ein Café, Roboter und Menschen mit Behinderung miteinander zu tun? Auf den ersten Blick wohl gar nichts. Tatsächlich sind sie ein Beispiel dafür, inwieweit Technik menschliches Miteinander ermöglicht. Und zwar in einem Café in Tokio

Im Dawn Avatar Robot Café werden die Gäste nämlich von Robotern bedient. Aber nicht von irgendwelchen Robotern. Sie werden von Mitarbeiter:innen mit Behinderung ferngesteuert. Von Menschen also, für die es schwer ist, auf dem sogenannten ersten Arbeitsmarkt einen geeigneten Job zu finden.

Die Arbeitslosenquote unter Menschen mit Behinderung sei in der Regel hoch, berichtet das US-amerikanische Onlinemagazin "Freethink". In manchen Ländern liege sie bei bis zu 80 Prozent. Doch Arbeit ist für viele lebensnotwendig. Außerdem ermöglicht ein Job menschliches Miteinander und stärkt das Selbstwertgefühl. Gebraucht zu werden, nützlich zu sein – das tut wohl den meisten gut.

"Das Ziel dieses Cafés ist es, Möglichkeiten für diejenigen zu schaffen, die arbeiten möchten, dies aber aufgrund ihrer medizinischen oder körperlichen Verfassung nicht können", heißt es auf der Webseite des Cafés. "Unser oberstes Ziel ist es, Technologie zu nutzen, um die vielen Hindernisse abzubauen, die Menschen daran hindern, an der Gesellschaft teilzunehmen, und sie integrativer zu gestalten."

Fernsteuerung über Augenbewegungen

Seit 2018 gab es das Café als sogenannte Pop-up-Version: Das heißt, das Roboter-Café existierte an verschiedenen Orten zeitlich begrenzt. Seit Juni hat es nun seinen festen Platz in der Innenstadt von Tokio.

Die Roboter werden zum Beispiel von Menschen mit ALS oder SMA über Augenbewegungen gesteuert. ALS steht für Amyotrophe Lateralsklerose und meint eine schwere Erkrankung des motorischen Nervensystems. SMA heißt spinale Muskelatrophie und beschreibt eine Krankheit, bei der Nervenzellen des Rückenmarks absterben.

Im Café gibt es verschiedene Roboter: Einer ähnelt einem Menschen und sitzt auf den Tischen, um die Bestellungen der Gäste anzunehmen. Ein anderer ist etwa 1,50 Meter groß und serviert Getränke und kleinere Gerichte. Die Gäste sehen auf einem Schild das Gesicht und den Namen der Mitarbeiter:innen. Die wiederum sehen die Gäste durch Kameras und können mit ihnen über Lautsprecher und Mikrofon sprechen.

Wer nicht sprechen kann, kann eine Roboterstimme verwenden. Außerdem können die Mitarbeiter:innen die Augenfarbe des Roboters anpassen oder den Kopf und die Arme bewegen – so können sie sich so gut wie möglich durch ihren Avatar ausdrücken.

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