Junge Menschen nutzen digitale Gesundheitsangebote intensiver Stocksy/AltoImages

Gesundheit: Junge Menschen digitalisieren sich selbst

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Klassische Strukturen zwischen Ärzt:innen und Patient:innen verändern sich, Online-Angebote werden immer attraktiver. Eine Umfrage zeigt: Patient:innen werden vermehrt selbst aktiv. Gesundheitsforscher mahnen Apotheken und die Medizin, nachzuziehen

Der eigene Arzt, die Ärztin oder die Apotheke vor Ort sind für viele Menschen nicht mehr der primäre Ansprechpartner, wenn es um Rezepte, Beratungs- oder Weiterbildungsangebote geht. Zu diesem Schluss kommt eine repräsentative Umfrage der EPatient Analytics GmbH, die seit 2010 entsprechende Analysen durchführt. Dem digitalen Gesundheitsforscher Dr. Alexander Schachinger zufolge werden rund die Hälfte der ärztlichen Online-Konsultationen von Ärzt:innen durchgeführt, die den Ratsuchenden zuvor unbekannt sind.

In der aktuellen Umfrage wurden rund 3.100 Menschen zu Themen wie Gesundheits-Apps, Online-Sprechstunde oder digitale Kursangebote befragt. Das Ergebnis: Die Nachfrage nach Online-Sprechstunden liegt bei 14 Prozent, 29 Prozent der Befragten nutzen Online-Kurse zu den Gesundheitsthemen Ernährung, Bewegung und Achtsamkeit.

Mehr Eigenrecherche von Patient:innen

Während weite Teile der Ärzteschaft zuletzt vor einer zu schnell voranschreitenden Digitalisierung des Gesundheitswesens warnten und dafür plädierten, den digitalen Pausenknopf zu drücken, vertritt Schachinger eine andere Position. "Moratorium is’ nich" lautet seine Devise, suchten sich derzeit schließlich circa fünf bis sieben Millionen E-Health-Nutzer:innen ihre Versorgungsangebote selbst zusammen.

Ein zuvor eingeholter Rat von einem vertrauten Arzt oder einer Ärztin scheint für zahlreiche Menschen unwichtig, wenn es beispielsweise darum geht, Gesundheits-Apps zu nutzen. In der E-Health-Umfrage wird zudem deutlich, dass für viele Befragte stattdessen Angebote ihrer Arbeitgeber oder Versicherungen relevant sind. Das Bundesgesundheitsministerium sieht diese Entwicklung der eigenständigen Informationsbeschaffung im Internet nach eigenen Angaben als Chance.

Ärzt:innen als "Resteversorger"?

Laut Umfrage nutzen derzeit insbesondere jüngere Menschen digitale Angebote, wie die Online-Sprechstunde oder das Rezepte-Scannen. Die Befragten gaben hier an, jünger als 50 Jahre alt und tendenziell gesund zu sein. Sollten jedoch bald auch andere Bevölkerungsgruppen in Sachen Online-Gesundheit nachziehen, drohe die organisierte Ärzte- und Apothekerschaft zu den gesundheitlichen Restversorgern der Nation zu werden, glaubt Schachinger.

 

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