Bestellung von rezeptpflichtigen Medikamenten online Getty Images/Peter Dazeley

Gefährliche Praxis: Medikamente per Fragebogen aus dem Netz

2 Min. Lesezeit

„Ethisch unhaltbar“: Bei einigen Online-Unternehmen können Patient:innen Arzneimittel ohne ärztliche Beratung per Fragebogen bestellen. Das hat eine Recherche des NDR-Verbrauchermagazins „Markt“ ergeben

Für die Stichprobe orderten die Journalist:innen bei sechs verschiedenen Online-Portalen zum Beispiel Antibiotika sowie ein Opiat und ein Folgerezept für die Antibabypille. Dafür mussten Sie lediglich Fragebögen ausfüllen. Nachweise, ein Videochat oder Telefonat waren nicht erforderlich, wie auch mednic, eine Plattform für den Digital Health-Markt, berichtet. Die bestellten Medikamente beziehungsweise das Rezept kamen nach wenigen Tagen an – trotz erfundener Angaben und Identität.

Dealern Tür und Tor geöffnet

"Es wird die Grundidee von Medizin völlig über den Haufen geworfen", sagte Prof. Martin Scherer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM), dem NDR (Sendung "Markt" vom 13. September). Eigentlich sei die Verschreibung eines Medikaments der letzte Schritt einer Konsultation. Alle bestellten Präparate bedürfen laut Scherer eine Beratung und eine Nachbetreuung. Zur Verschreibung dieser Mittel ohne Kontakt zu einer Ärztin oder einem Arzt und ohne Identitätsprüfung sagt er: "Eine solche Gefährdung der Patientensicherheit ist ethisch nicht mehr haltbar." Gerade Opiate könnten abhängig machen und würden deshalb, wenn überhaupt, nur nach reiflicher Abwägung verschrieben. Die Praxis der Online-Portale öffne Dealern Tür und Tor.

Verschrieben werden die Medikamente in dem Beitrag nach den Recherchen des NDR von Ärzt:innen mit irischer oder bulgarischer Zulassung. Das liegt laut dem Bericht daran, dass die erstmalige Behandlung per Fragebogen für deutsche Ärzt:innen wohl rechtlich nicht zulässig ist, wie Rechtsanwalt Christian Karle dem NDR sagte. Das sei in anderen europäischen Ländern anders – und deutsche Patient:innen dürfen sich von ausländischen Ärzt:innen behandeln lassen. Es gelte dann das Berufsrecht des jeweiligen Landes, in dem das Dienstleistungsunternehmen sitze. Ein Schlupfloch, das die Online-Anbieter:innen ausnutzen, wie der NDR schlussfolgert.

Die Sendung "Markt" ist in der ARD-Mediathek abrufbar.

Newsletter Anmeldung

Jede Woche aktuelle News und Hintergründe direkt in Ihr Postfach

Anmelden